Lage: Neben der evangelischen Kirche (westlich der Kirchhofsmauer), Bönen
Status: Keinerlei Baubestand mehr vorhanden
Ersterwähnung: 1486 im Schatzbuch der Grafschaft Mark
Der Hof Biermann zählte zu den historischen Höfen im Ortskern von Bönen. Er ist nicht nur als freier Bauernhof bedeutend, sondern auch als Ursprung des Isenbeck-Zweiges (Hamm) sowie durch die wirtschaftlichen Initiativen der Familie Staby (Windmühle, Ziegelei).
Chronik und Besitzerfolge
- 1486: Älteste nachweisbare Erwähnung des Hofes im Schatzbuch der Grafschaft Mark.
- 1566: Als Grundherrin wird Catharina von Amelunxen (Verwitwete von Hoete zu Bögge) genannt. In einer Urkunde vom 10. Mai 1566 wird Margarete, Tochter des Henricus Beermann zu Boenen, erwähnt.
- 1685: Heinrich Isenbeck (geb. um 1660 in Herringen) heiratet die Erbtochter des Hofes und nimmt den Hofnamen Biermann an. Er stirbt 1711 und gilt als Stammvater der Hammer Isenbeck-Linie, aus der die spätere Isenbeck-Brauerei hervorging.
- 1796: Herrmann Nicolaus Tiggemann übernimmt durch Einheirat die Hofstelle als Tiggemann, genannt Biermann.
- 1798/99: Der Hof befreit sich bereits vor der offiziellen Stein-Hardenbergschen Bauernbefreiung von der Grundherrschaft. Im Hebezettel des Amtes Hamm wird er als freies „Erbe“ geführt.
- 1850: Bruch mit der Tradition der Hofnamensbeibehaltung: Der Bauernsohn Ludwig Staby (1826–1905) aus Strickherdicke heiratet die Witwe Friederike Biermann (geb. Schulze-Herringen, 1823–1906). Die Familie und der Hof führen fortan den Namen Staby.
- 1895: Louis Staby (geb. 1865), Sohn von Ludwig und Friederike Staby, wird Hoferbe und heiratet Elisabeth Lühl (1866–1963).
Bauliche Entwicklung und Wirtschaftszweige
Hofgebäude
- 1858: Errichtung eines massiven Wohnhauses durch Ludwig und Friederike Staby in unmittelbarer Nähe der westlichen Kirchhofsmauer.
Die Turmwindmühle (Bahnhofstraße)
- 1860: Ludwig Staby lässt anstelle einer alten Bockwindmühle eine Turmwindmühle an der heutigen Bahnhofstraße erbauen.
- Spätere Entwicklung: Nach Verpachtung und Verkauf an den Landwirt Wienpahl gelangte die Mühle in den Besitz der Gemeinde Bönen. Sie wurde an den Müller Heinrich Fleermann verpachtet und 1969 nach umfassendem Umbau als Kulturzentrum eröffnet.
Die Ziegelei Staby
- 1861: Gründung einer Ziegelei durch Ludwig Staby östlich des Kletterpoths. Der Lehm stammte aus der Berkhoffschen Lehmgrube am Dieken.
- Blütezeit: Mit dem Beginn des Bergbaus in Bönen erlebte das Werk einen starken Aufschwung mit Tagesproduktionen von bis zu 12.000 Ziegeln und Dachziegeln. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ Louis Staby einen modernen Ringofen mit 16 Kammern erbauen.
- Einstellung: Durch das Aufkommen der maschinellen Fabrikation wurde der Betrieb unrentabel und 1960 eingestellt. Ziegel des Hofes Staby prägen bis heute zahlreiche historische Gebäude im Ortsbild von Bönen.
Betriebsgröße (Stand 1909)
Laut Niekammers Landwirtschaftlichem Adressbuch umfasste der Hof Staby im Jahr 1909 eine Gesamtfläche von 47 Hektar:
| Nutzung | Fläche |
| Ackerland | 40 ha |
| Wiese | 3 ha |
| Wald | 3 ha |
| Unland / Hoffläche | 1 ha |
Sonstiges Engagement
- Soziales / Kommunales: Louis Staby war Amtsbeigeordneter und gehörte am 30. Juni 1882 zu den Mitbegründern der Amtssparkasse Pelkum (Betriebsaufnahme am 1. April 1884).
(Verfasser der zugrundeliegenden Recherchen: Hartmut Platte)