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Biancucci, Duilio

Foto © Jörn Bergmann


* 18. Februar 1928 in M. S. Pietrangeli/Italien
+ 30. Juni 2015
Kath. Pfarrer in Bönen

geweiht am 30. Juni 1954 in Turin

Geboren wurde er 1928 in Mittelitalien. Wenige Wochen alt wurde Biancucci zum Argentinier. Seine Eltern folgten ihren Landsleuten in die größte italienische Gemeinde außerhalb des Mutterlandes. In Villa Regina in der Provinz Rio Negro und später in Bariloche (Patagonien) an der Grenze zu Chile besuchte er eine Schule des Salesianer-Ordens. Direkt nach Abschluss und mit seiner Volljährigkeit kehrte er in die Alte Welt zurück. In Turin wohnte Biancucci in einem Internat des Ordens und studierte Theologie und machte seinen Doktor in Philosophie. Dort, in Nord-Italien, wurde er vor jetzt 60 Jahren auch zum Priester geweiht. „Ich wollte aber immer mehr machen als die Theologie“, erklärt Biancucci weiter gehende Interessen. Im belgischen Leuven schließt er ein Soziologie-Studium ab. Passend für den Ordensmann. Er lebt nicht nur für seinen Gott. Schon damals ist er nah am Volk. In dieser Zeit knüpft er übrigens schon Kontakte in seine jetzige Heimat: Biancucci macht von Belgien aus Urlaubsvertretungen in Solingen.

In den 1960-er Jahren holt ihn der Orden zurück nach Südamerika, genauer Südargentinien, aber nicht als Priester. Biancucci unterrichtet an der Privat-Universität der Salensianer in Commodoro Rivadavia an der Atlantikküste Theologie und Soziologie. Er vertritt die so genannte Theologie der Befreiung. Die ist populär in der einfachen, armen Bevölkerung, nicht aber in der herrschenden Klasse der Großgrundbesitzer. 1976 putscht das Militär. Juntachef General Jorge Videla setzt mit Staatsterror den zynisch so genannten „Prozess der Nationalen Reorganisation“ durch. Tausende Menschen „verschwinden“ für immer. Biancucci, der seine Gedanken immer bewusst und offensiv vertreten hat, wird wie anderen kritischen Geistern nahegelegt, das Land doch besser zu verlassen. „Uns drohte Gefängnis“, erinnert er sich. Viele Argentinier wurden dort ermordet.

Zunächst kam Biancucci in Wuppertal unter. Er nutzte den alten Kontakt zum Solinger Pfarrer Stöber. Es folgten Jahre als Vertretungs-Geistlicher im Salzkottener Ortsteil Upsprunge.

In Bönen erstmals Gemeindepfarrer

1984 bekam der Theologe dann seine erste Gemeinde in Bönen. Sechs Jahre arbeitete er als Pfarrer in St. Bonifatius. Dort führte er mit scharfem Blick auf den Inhalt des Buchs die Bibelstunden ein, parallel hielt er jede Woche dienstags Vorträge in Paderborn. Eine offizielle Lehrtätigkeit wie in Argentinien nahm er nicht mehr auf, Kontakt zu Studenten hatte er aber weiterhin. Im Pfarrhaus – „es ist schließlich ein großes Haus, das immer offen stand“ – richtete Biancucci einen gut besuchten „theologisch, philosophischen Gesprächskreis“ ein.

1990 geht er nach Argentinien zurück. Für vier Jahre. „Wir brauchen dich“, hieß es, „für die Arbeit mit Jugendlichen“, erzählt er von einer weiteren Episode in seinem Leben. „Meine Forschungsarbeit wurde aber nicht anerkannt.“ Er verließ Argentinien ein letztes Mal. Die Brücken auf die andere Seite des Atlantiks brachen ab.

Zurück in Deutschland begann erneut eine Zeit der Vertretungsarbeit. Biancucci tingelte von Hövelhof über Rimbeck und Eringsen durch die Erzdiozöse Paderborn. „So etwas wie den Pastoralverbund habe ich schon vor 30 Jahren vorhergesehen“, sagt er.