Gaststätte in Bönen
Die Dorfschänke Bönen (historisch auch Gasthaus Lohmann bzw. „Zur Dorfschenke“) ist ein denkmalgeschütztes historisches Gasthaus sowie ein zentraler Ort für Kultur- und Vereinsleben in der Gemeinde Bönen (Kreis Unna, Nordrhein-Westfalen).
1. Historische Entwicklung & Entstehung
- Ursprung und Bau: Nach einem verheerenden Dorfbrand rund um die Bönener Kirche im Jahr 1846 errichtete der Landwirt Schulze-Haaren in direkter Nachbarschaft zu seinem Gehöft ein Gast- und Wohnhaus am Kirchplatz.
- Erweiterung um einen Saal (1864): Um dem im 19. Jahrhundert aufblühenden Vereinswesen einen adäquaten Veranstaltungsort zu bieten, ließ Schulze-Haaren 1864 gegenüber der Gaststätte einen Saal für rund 700 Personen errichten.
- Übernahme durch die Familie Lohmann (1899/1903): Im Jahr 1899 übernahm Heinrich Becks-Lohmann die Schänke als Pächter und erwarb 1903 das Anwesen samt Saal. Dies fiel mit der Abteufe der Zeche Königsborn zusammen. Der damit verbundene starke Bevölkerungszuwachs durch Bergleute machte das Gasthaus rasch zum gesellschaftlichen und politischen Mittelpunkt des Ortes.
2. Soziale und kulturelle Funktion
- Vereins- und Versammlungsstätte: Neben traditionellen Schützen- und Gesangvereinen wählten Gewerkschaften, Parteien sowie Knappen-, Turner-, Tauben- und Kaninchenzüchtervereine die Dorfschänke als ihr Vereinslokal.
- Großveranstaltungen: Der Saal diente für Betriebsfeiern (u. a. der örtlichen Molkerei), Pfarrfeste sowie Aufführungen und Bildungsangebote der Volkshochschule.
- Nutzung in Krisenzeiten: Im Zweiten Weltkrieg wurde der Saal als Turnhalle genutzt. Nach 1945 diente er der Knappschaft zur Auszahlung von Kranken- und Rentengeldern und 1955 vorübergehend als Unterbringung für Sowjet-Flüchtlinge.
3. Die Ära Heinrich & Lenchen Lohmann

- Blütezeit der 1950er & 1960er Jahre: Unter Heinrich Lohmann jun. und seiner Ehefrau Lenchen (Helene, geb. Renninghof) erlebte die Schänke eine Hochphase. Bekannt waren die Tanzabende und die familiäre Atmosphäre.
- Kultstatus & Gaststättensterben: Als in den 1980er Jahren im Zuge der Zechenschließung (Mai 1981) viele Kneipen schlossen, behauptete sich die Dorfschänke durch die Durchführung von Konzerten, Kleinkunstabenden und Lesungen weit über die Gemeindegrenzen hinaus.
- Gästehilfe & Kulturpreis: Nach dem Tod Heinrich Lohmanns im Jahr 1994 (im Alter von 94 Jahren) führten Stammgäste die Gaststätte gemeinsam mit der Wirtin fort (Bierzapfen und Kassieren in Eigenregie). 1998 erhielt Lenchen Lohmann den ersten Kulturpreis der Gemeinde Bönen für ihr Lebenswerk. Mit ihrem Tod im Juni 2001 (im Alter von 96 Jahren) endete die familiäre Ära.
4. Denkmalschutz, Modernisierung & Heutige Nutzung
- Neuausrichtung ab 2001: Die Großneffen-Familie Beate und Joachim Lüblinghoff übernahm die Immobilie im Jahr 2001 im Sinne der Verstorbenen, um die Räumlichkeiten weiterhin der Kultur und den Vereinen zur Verfügung zu stellen.
- Saaleinsturz (2002) & Villeroy & Boch-Theke: Nach dem Einsturz des baufälligen Saals im Frühjahr 2002 wurde das Grundstück mit Wohnhäusern bebaut. Die historische Saal-Theke mit Kacheln der Firma Villeroy & Boch aus dem 19. Jahrhundert blieb erhalten und wurde 2008 in die grundrenovierte Gaststube eingebaut.
- Kultur- und Bildungszentrum: Das innen und außen unter Denkmalschutz stehende Gebäude beherbergt im Dachgeschoss die Musikschule „Musikkarussell Bönen e.V.“ Die Schänke selbst dient regelmäßig als Austragungsort für Konzerte (Folk, Rock, Blues), Kabarett/Improvisationstheater (Emscherblut) sowie Krimilesungen (u. a. im Rahmen des internationalen Festivals „Mord am Hellweg“).
Quellenhinweis:
Börste, Barbara: Klönen, Musik, Tanz, Kleinkunst und Literatur – Die Dorfschenke in Bönen viel mehr als eine Kneipe. In: Gemeindearchiv Bönen.
Weitere Informationen in einem Artikel von Barbara Börste hier
oder in dem in dem Artikel von Hans Kumbier hier.